Auszug aus der Chronik des Burschen-Arbeitervereins Lampoding

 

Die soziale Lage der Arbeiter führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Gründung von Unterstützungsvereinen um bei Krankheit eine finanzielle Hilfe zu gewähren.

Im Zuge dieser Entwicklung wurde der Burschen- Krankenunterstützungsverein am 04.Oktober 1908 im „Eder´schen Gasthause“, in Lampoding gegründet.

 


Gründungsfoto von 1908

 
 
Zur Gründungsversammlung erschienen 48 Burschen aus den umliegenden Ortschaften, als Zweck des Vereins wurden festgelegt:

1- Verabreichung von Unterstützungen im Krankheutsfalle
 

2- Pflege der geselligen Unterhaltung
 

„Die Tendenz des Vereins ist, durch tüchtiges Zusammenhalten in allem Guten und nützlichem und durch gemeinsames Zusammenwirken das Wohl und Interesse der Mitglieder in jeder Weise zu fördern“, so stand es wörtlich in den Statuten.

Die Mitglieder setzten sich damals hauptsächlich aus ledigen Burschen zusammen, die in Lampoding und den umliegenden Orten als Dienstboten beschäftigt waren. Die Chronik berichtet, daß der Herbergsvater, Gastwirt Paul Eder, als freiwilligen Beitrag 5 Mark entrichtete und damit den Grundstein für die Vereinskasse legte.

Aus dem Protokoll von 1909 ist weiters zu lesen, daß die Krankenunterstützung von täglich 20 Pfennig auf 30 Pfennig erhöht wurde. Im Jahre 1911 wurden insgesamt 41,60 Mark für die Krankenunterstützung ausgezahlt.

Im Jahr1912 zählte der Verein 95 Mitglieder, im selben Jahr fand unter dem damaligen Vorstand Franz Bräumann die erste Fahnenweihe statt, an der 47 auswärtige Vereine teilnahmen. Der Verein erhielt in dieser Zeit auch einen neuen Namen, es war nun der Burschen-Arbeiter-Kankenunterstützungsverein.

Das Vereinleben kam durch die Wirren des 1. Weltkrieges zum Erliegen, so daß erst 1919

die Tätigkeit fortgeführt wurde. In diesen Jahren wechselte fast jährlich die Vorstandschaft, weil nur ledige Burschen in den Vorstand gewählt werden konnten.

Als im Jahre 1933 das 25-jährige Gründungsfest gefeiert wurde, spielte erstmals auch die junge Musikkapelle.

Der Verein hatte damals regen Zuspruch gefunden, bis der 2. Weltkrieg die Vereinstätigkeit wiederum zu Erliegen brachte.

Mehr als 20 Mitglieder haben die Heimat nicht wiedergesehen oder waren an den Folgen des Krieges in der Heimat verstorben.

Erst am 30.März 1947 wurde im Rahmen der ersten Generalversammlung die Tätigkeit des Vereins wieder aufgenommen. Der Verein zählte jetzt 115 Mitglieder.

Im Jahre 1958, am 30 Juni, erlebte der Verein sein 50. Gründungsjubiläum mit Fahnenweihe. Hierbei waren 40 Burschenvereine Anwesend.

Der Verein mußte in seiner über 90 jährigen Geschichte auch so manche Krise bewältigen.

Anfang der 60-ger Jahre ließ das Interesse an den Vereinen allgemein nach, so daß auch der Burschen-Arbeiter-Verein der Auflösung nahe war. Der damaligen Vorstandschaft unter Rudi Langbauer war es zu verdanken, daß diese schwere Zeit überstanden wurde. Langsam ging es mit dem Verein, zu dem sich auch immer wieder junge Mitglieder gesellten, wieder aufwärts.

Als dann am 01. August 1993 das 85-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe im Rahmen des Gaufestes der Burschenvereine des Chiem- und Rupertigaues stattfand, war die harte Zeit endgültig überstanden. Der Verein kann sich heute an steigenden Mitgliederzahlen und einem regen Vereinsleben freuen.

Heutzutage hat der eigentliche Vereinszweck zur Gründungszeit, die Unterstützung von kranken Vereinsmitgliedern, an Bedeutung verloren. Die moderne Sozialversicherung hat derartige Vereine überholt. Ein neuer Zweck und Tätigkeitsbereich ist in der Teilnahme an öffentlichen Ereignissen, wie zum Beispiel demTag der Vereine, an dem der Verein alljährlich zum Gedenken an seine gefallenen, vermissten und verstorbenen Mitglieder teilnimmt, sowie in der Teilnahme an Hochzeiten der Mitglieder, zu denen der Verein immer eine Fahnenabordnung entsendet, gefunden worden. Weitere Tätigkeitsfelder wurden durch eigene Veranstaltungen wie dem in den letzten Jahren sehr erfolreichen Burschenball in Petting, dem alljährlichen Sommernachtsfest oder die schon mehrmals und mit steigendem Erfolg veranstalteten Burschenwettkämpfe erschlossen. Auch unterstützt der Verein mildtätige Einrichtungen in der näheren Umgebung wie zum Beispiel die Lebenshilfe Traunstein, bei der er seit einiger Zeit Mitglied ist. So konnte im Jahr 2000 durch die Einnahmen vom Kuchenverkauf bei den Burschenwettkämpfen ein Betrag von 350,-- DM gespendet werden. Bei all diesen Veranstaltungen wurde der 2. Gründungszweck des Verein, die Pflege der geselligen Unterhaltung, sowie ein freundschaftliches und erfolgreiches Miteinander der Mitglieder immer hochgehalten.

Auch in der Zukunft soll es so bleiben, damit der Burschen- und Arbeiterverein Lampoding immer einen festen Platz in der Dorfgemeinschaft einnimmt.